14.01.2026
GEMA: CCF und Fortschrittsmonitoring der Klimastrategie
Erstellung der THG-Folgebilanz der GEMA für das Berichtsjahr 2024
Bereits seit einigen Jahren arbeiten wir mit der GEMA zusammen, um das Unternehmen im Klimaschutz zu unterstützen. Schon 2023 hatten wir auf Basis eines ersten CCFs gemeinsam eine Klimastrategie entwickelt. Bei der diesjährigen Bilanz haben wir den CCF mittels „spend based“-Ansatz im Einkauf erweitert sowie ein Fortschrittsmonitoring der Klimastrategie durchgeführt, um die Wirkung erster Maßnahmen sowie Anpassungsbedarf aufzeigen zu können. Mit Anja Lorenz, Nachhaltigkeitsmanagerin bei der GEMA, sprechen wir über ihre Erfahrungen, Prioritäten und die Herausforderungen.
Motivation der THG-Bilanzierung
KlimAktiv (KA): Was macht die GEMA – und warum haben Sie sich schon relativ früh zu einem CCF und einer Klimastrategie entschieden?
Anja Lorenz (AL): Die GEMA ist die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte. Sie sorgt dafür, dass Urheberinnen und Urheber für die Nutzung ihrer Werke fair vergütet werden.
Wir haben uns früh für ein Corporate Carbon Footprint (CCF) und eine Klimastrategie entschieden, weil wir überzeugt sind, dass Unternehmen eine aktive Verantwortung für den Klimaschutz tragen. Für uns war das Pariser Klimaabkommen eine klare Maßgabe: Die Begrenzung der Erderwärmung erfordert konkrete und messbare Schritte.
Erfahrungen mit der Klimastrategie
KA: Gab es in der Analyse des CCF besondere Aha-Momente? Wie haben sich diese auf die Strategie ausgewirkt?
AL: Ein besonderer Aha-Moment in der Analyse unseres Corporate Carbon Footprint waren die Pendleremissionen, also wie unsere Mitarbeitenden ins Büro kommen. Diese indirekten Emissionen hatten wir zunächst gar nicht so stark im Blick, und gleichzeitig haben wir hier nur begrenzte Einflussmöglichkeiten.
Wir haben diese Emissionen bewusst in den Blick genommen. Deshalb haben wir sie in unsere Klimastrategie integriert und Anreizsysteme geschaffen, um nachhaltige Mobilität zu fördern, zum Beispiel durch Zuschüsse für ÖPNV, Fahrradleasing und die Einführung einer Pendel-App, die umweltfreundliches Pendeln belohnt.
Darüber hinaus haben wir eine echte Fahrradkultur geschaffen: Wir wurden vom ADFC als Fahrradfreundliches Unternehmen ausgezeichnet. So konnten wir auch in diesem Bereich unseren Beitrag leisten.
KA: Welches Thema/Maßnahme hatte in Ihrer Klimastrategie Priorität?
AL: Da wir im Dienstleistungsbereich tätig sind, entfallen die größten Emissionen auf unsere Gebäude. Deshalb lag unser Fokus darauf, diesen zentralen Hebel zu bewegen.
Bereits vor der Erstellung unserer ersten Klimabilanz haben wir begonnen, Maßnahmen im Gebäudebereich umzusetzen, da hier die größten Einsparpotenziale liegen. Unsere Reise startete mit der Umstellung auf energiesparende Beleuchtung, Bewegungsmelder und Grünstrom. Im Jahr 2024 folgte die Installation von Photovoltaikanlagen an den Standorten München und Berlin.
Ein Meilenstein war der Neubau unseres Berliner Bürogebäudes in nachhaltiger Holzhybridbauweise, das mit dem Platin-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) ausgezeichnet wurde. Durch die Verkleinerung der Flächen und die Einführung des New-Work-Konzepts erzielen wir kontinuierlich weitere Einsparungen beim Energieverbrauch.
KA: Gibt es Maßnahmen, die aus Ihrer Sicht besonders effektiv sind?
AL: Die Umstellung auf Grünstrom gehört zu den Maßnahmen mit der größten Hebelwirkung, da sie unmittelbar und deutlich zur Reduktion von Emissionen beiträgt. Wir haben diesen Schritt bereits vor unserem Basisjahr für den Klimarechner umgesetzt und dadurch unsere Emissionen deutlich gesenkt. Dieser Hebel wird daher nicht in die Berechnungen unserer Klimabilanz einbezogen, war aber ein entscheidender Schritt auf unserem Weg zur Dekarbonisierung.
KA: Welche Maßnahmen ließen sich bereits gut umsetzen?
AL: Sehr gut angenommen wurden unsere Anreize für E-Fahrzeuge und das JobRad-Leasing. Ein entscheidender Vorteil: Sowohl die PKW als auch die Fahrräder können mit hauseigenem Strom aus unseren Photovoltaikanlagen geladen werden. Dadurch werden E-Fahrzeuge verstärkt für das tägliche Pendeln genutzt – ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der Mobilitätsemissionen.
KA: An welchen Stellen gab es Herausforderungen?
AL: Eine Herausforderung sind die Wechselwirkungen zwischen einzelnen Maßnahmen. Ein Beispiel: Wenn wir die Homeoffice-Quote erhöhen, sinken zwar die direkten Emissionen aus dem Bürogebäude, gleichzeitig steigen jedoch die indirekten Emissionen für das Homeoffice durch den zusätzlichen Energieverbrauch in privaten Haushalten. Solche Effekte müssen wir in der Gesamtstrategie berücksichtigen, um eine echte Emissionsreduktion zu erzielen.
KA: Was möchten Sie im Rahmen Ihrer Klimastrategie zukünftig noch umsetzen?
AL: Zukünftig möchten wir die Energieeffizienz unserer Gebäude weiter steigern, den Einsatz erneuerbarer Energien ausbauen und die Digitalisierung nutzen, um Emissionen noch transparenter zu erfassen. Außerdem wollen wir die Mobilitätsangebote weiterentwickeln und zusätzliche Anreize für klimafreundliches Verhalten schaffen.
Zukünftige THG-Bilanzierungen
KA: Welche Schlüsse ziehen Sie für sich und Ihre Bilanz aus dem "spend based" Screening?
AL: Das spend-based Screening hat uns gezeigt, dass Ausgaben nicht immer ein verlässlicher Indikator für die tatsächlichen Emissionen sind. Gerade im Dienstleistungsbereich entstehen große Unterschiede zwischen monetärem Aufwand und realem CO₂-Fußabdruck.
Für unsere Bilanz bedeutet das: Wir nutzen spend-based Daten nur als erste Orientierung, um Hotspots zu identifizieren. Für eine belastbare Klimastrategie setzen wir auf präzisere Methoden wie activity-based Ansätze und Primärdaten, wo immer möglich. So stellen wir sicher, dass unsere Maßnahmen dort ansetzen, wo sie den größten Effekt haben.
KA: Das neue Jahr naht, welche guten Vorsätze haben Sie für die zukünftigen THG-Bilanzen der GEMA? (z.B. Einkaufs-Themen, welche zukünftig detaillierter betrachtet werden sollen)?
AL: Für die zukünftigen THG-Bilanzen möchten wir den Fokus noch stärker auf Einkaufs- und Beschaffungsthemen legen. Spend-based Ansätze haben uns wertvolle erste Einblicke gegeben und gezeigt, wo große Potenziale liegen.
Unser Vorsatz ist, künftig detailliertere Daten zu den eingekauften Produkten und Dienstleistungen zu erheben – insbesondere zu Materialherkunft, Produktionsprozessen und Lieferketten. Ziel ist es, Primärdaten von Lieferanten einzubeziehen und so die Qualität unserer Scope-3-Berechnungen deutlich zu verbessern.
© Bild: Sebastian Riepp
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