25.03.2026

Was der neue LSR Standard des GHG Protocol für Unternehmen bedeutet

Was sind die Anforderungen, welche Chancen entstehen und wo besteht Handlungsbedarf?

Der am 30. Januar 2026 veröffentlichte GHG Protocol Land Sector and Removals (LSR) Standard schafft erstmals einen einheitlichen, international anerkannten Rahmen zur Bilanzierung von Treibhausgasemissionen und -entnahmen für Unternehmen in landwirtschaftlichen Lieferketten. Zudem bildet er die Grundlage für die THG-Bilanzierung von Methoden zur technischen Kohlenstoffabschneidung und -speicherung. Georg Smolka von KlimAktiv erläutert die wichtigsten Punkte des neuen Standards und beschreibt, welche Auswirkungen er für die betroffenen Branchen hat.

Worum geht es beim neuen LSR Standard?

Der Standard definiert klare Anforderungen an die THG-Bilanzierung von fossilen und biogenen THG-Emissionen in landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten. Dies umfasst beispielsweise Prozesse wie Landnutzungsänderung, Düngung oder Bodenbearbeitung, jedoch auch die Kohlenstoffspeicherung in Böden durch entsprechende Bewirtschaftungsmaßnahmen. Zusätzlich wird auch der Umgang mit CO₂-Entnahmen durch technologische Lösungen definiert. Ziel ist es, die Klimabilanzierung insbesondere in landbasierten Sektoren transparenter und vergleichbarer zu machen.

Gibt es Bereiche, die aktuell noch nicht vollständig abgedeckt sind?

Ja, die Anforderungen an die Treibhausgasbilanzierung von wald- und forstwirtschaftlichen Systemen sind in der nun veröffentlichten Version 1.0 des Standards zunächst ausgenommen, sollen jedoch in zukünftigen Versionen des Standards berücksichtigt werden. Hintergrund ist, dass unter den beteiligten Experten kein wissenschaftlicher und methodischer Konsens erzielt werden konnte. Um die Veröffentlichung des restlichen Standards nicht weiter aufzuhalten, wurde die Forstwirtschaft vorerst ausgeklammert.

Ab wann gilt der Standard verbindlich?

Der LSR Standard tritt offiziell ab dem 01.01.2027 in Kraft. Ab diesem Zeitpunkt ist er für Unternehmen, die einen Corporate Carbon Footprint konform zum GHG Protocol erstellen möchten, verpflichtend anzuwenden, sofern sie signifikante Treibhausgasemissionen aus landbasierten Aktivitäten haben oder CO₂-Entnahmen (Removals) in ihre THG-Bilanz aufnehmen möchten.

Welche Rolle spielt der Standard im Kontext bestehender Regelwerke?

Der Standard gilt ergänzend zum GHG Protocol Corporate Standard und Scope 3 Standard.
Damit wird der LSR Standard zu einem integralen Bestandteil der unternehmerischen Klimabilanzierung und erhöht die Vergleichbarkeit sowie Transparenz von berichteten Emissionen und Removals.

Welche konkreten Auswirkungen hat der Standard für Unternehmen, die landwirtschaftliche Produkte beziehen?

Für diese Unternehmen - z.B. Nahrungsmittelhersteller, -verarbeiter und -händler, jedoch auch Nutzer von relevanten Mengen an Biokraftstoffen - bedeutet der Standard zumeist die Notwendigkeit einer höheren Datengranularität im Einkauf (Scope 3 Kat. 1), idealerweise auf Basis von Primärdaten, da verfügbare Sekundärdaten derzeit meist nicht ausreichend differenziert sind. Dies schafft zugleich eine fundierte Grundlage zur gezielten Reduktion von Emissionen entlang der eigenen Lieferkette. Dadurch gewinnen insbesondere Maßnahmen wie ökologische Landwirtschaft, optimiertes Düngemanagement oder veränderte Anbaumethoden an strategischer Bedeutung. So gibt der Standard auch die Möglichkeit, landwirtschaftliche Maßnahmen zur Erhöhung des Kohlenstoffgehalts im Boden („Humusaufbau“) als CO₂-Entnahmen im THG-Inventar aufzuführen und ggf. auf Klimaziele anzurechnen.

Und wie sieht es für Unternehmen aus, die Produkte aus forstwirtschaftlichen Lieferketten beziehen?

Unternehmen in forstwirtschaftlichen Lieferketten müssen sich bezüglich definitiver Anforderungen zur Bilanzierung von THG-Emissionen und CO₂-Entnahmen in der Forstwirtschaft leider noch etwas gedulden, bis die entsprechende Konkretisierung im Standard erfolgt. D.h. nicht, dass diese Prozesse bis dahin gar nicht berücksichtigt werden sollten, jedoch sollten die verwendete Berechnungsmethodik und die getroffenen Annahmen transparent gemacht werden. Zugleich muss man sich darauf einstellen, dass die Berechnungsmethodik zukünftig nochmals angepasst werden muss.

Gibt es Besonderheiten für Unternehmen, die langlebige biobasierte Produkte herstellen, bei denen Kohlenstoff über längere Zeiträume gebunden bleibt?

Ja, Unternehmen können den in ihren Produkten gespeicherten Kohlenstoff separat ausweisen. Das macht sichtbar, wie lange Kohlenstoff gebunden bleibt, auch wenn er nicht direkt in die THG-Bilanz eingeht.

Was bedeutet der Standard für Unternehmen, die bereits heute technologische Lösungen zur Entnahme und Speicherung von Kohlenstoff betreiben?

Diese Unternehmen erhalten die Möglichkeit, diese Kohlenstoffspeicherung als CO2-Entnahme im THG-Inventar aufzuführen und ggf. auf Klimaziele anzurechnen.

Welche strategische Bedeutung hat der Standard für Unternehmen mit landbasierten Wertschöpfungsketten und wie verhält sich der Standard zu Klimaziel-Initiativen wie der Science Based Targets initiative (SBTi)?

Für Unternehmen mit landbasierten Wertschöpfungsketten – etwa aus der Lebensmittelbranche – schafft der Standard auch verlässliche Leitlinien zur Integration von landbasierten THG-Emissionen in ihre Klimastrategie, Zielsetzung und Berichterstattung. Dies unterstützt Unternehmen dabei, regulatorische Anforderungen sowie steigende Erwartungen von Investoren und Kunden an transparente Klimainformationen zu erfüllen.

Die Anforderungen von Klimazielprogrammen wie der Science Based Targets initiative (SBTi) haben für teilnehmende Unternehmen Vorrang vor den im LSR Standard aufgeführten Guidelines zur Zielsetzung. Der branchenrelevante SBTi FLAG Standard, der bisher auf dem Entwurf des LSR Standards aus dem Jahr 2022 basierte, wurde bereits geringfügig angepasst (V1.2), um die Konsistenz mit dem neuen LSR Standard zu gewährleisten.

Hat der Standard auch Auswirkungen auf die THG-Bilanzierung von Produkten, also auf die Berechnung von Product Carbon Footprints?

Ja, die Bilanzierungsmethoden sind auch für die Erstellung von Product Carbon Footprints (PCFs) gemäß GHG Protocol Product Life Cycle Accounting and Reporting Standard relevant. Dies erhöht die Bedeutung des Standards auch auf Produktebene, stärkt die Vergleichbarkeit klimabezogener Produktinformationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette und erleichtert dadurch auch die Integration dieser PCFs in den Corporate Carbon Footprint.

© Portrait: KlimAktiv
© Landschaftsbild: jens auf pixabay

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